operasilens

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Theatre Research International, Volume 29, Issue 01 (March 2004)

Nikolaus Müller-Schöll über die opera-silens-Produktion acqua acqua acqua acqua in: Theatre of Potentiality. Communicability and the Political in Contemporary Performance Practice

“When the spectators enter in small groups the room where the theater takes place they are for a short moment in the position of the renaissance prince whom the dramatic theater in its origins is created for. Placed on a rostrum they may overlook for once the whole set-up of the stage, a scene which collects all kinds of strange machines and instruments, amongst them an automatic piano and a small model of the stage as a whole, a collection of “treasures”, items which give the impression of both the baroque “Kunstkammer” (Bredekamp) as well of the modern collections of junk dealers. In an emblematic way the age of the “madrigali” is exposed as an age of repetition and of a loss of transcendence. In absence of a worldly escape out of the finite existence the world becomes empty of sense, a space of endless repetitions - the opening scene is repeated over and over again until everybody has been placed. During the evening the spectator is always in the picture, sees at the beginning the other spectators entering and taking their seats, can watch them watching the scene. Placed next to the players of the orchestra one gets aware of the fact that one is no longer in the position of the sovereign but rather in that of a baroque consciousness of finitude because there is no place in the room from which everything can be grasped except on the rostrum which becomes part of the play. Mourning, the topic of the “Madrigali”, appears as expression of a loss of transcendence characteristically both for the immanent world of the age of the baroque as for our days in the age of globalization. The double perspective turns the spectator into the space of a conflict, lets him become aware of the claim to sovereignty which has survived in the architecture of most of the contemporary theaters being still centered around the idea of an ideal sovereign perspective. This claim is exposed as an ideological element in contemporary theater architecture and paradigmatically placed next to the architecture of the former factory in which the production is taking place.”

Zur Geschichte

Das Musiktheater opera silens beginnt seine Arbeit 1995 im Umfeld einiger experimenteller Musiktheaterprojekte des Hamburger Regiestudiengangs sowie des Kampnagel-Festivals Junge Hunde unter der Intendanz Res Bossharts. opera silens unternimmt in jener Zeit den Versuch, freie Arbeitsweisen im Genre des Musiktheaters zu erproben und zu versuchen, zu den künstlerisch und institutionell höchst innovativ arbeitenden Personen und Gruppen in den Bereichen Tanz und Sprechtheater aufzuschließen.Von 1996 bis 2000 etabliert sich die opera silens mit mehreren Erik-Satie-Projekten sowie einem Satie-Festival in Hamburg. Zum Gründungsteam gehören Ulrike Bartusch (Gesang), Wobine Bosch (Tanz), Tomek Nowicki, Patricia Tiedtke (Schauspiel), Jochen Neurath (Komposition und musikalische Leitung), Hans-Jörg Kapp (Regie), Christian Wiehle (Bühne), Irène Favre de Lucascaz (Kostüme) sowie Torsten Beyer (Dramaturgie). Die Satie-Projekte gastieren in Stockholm und Kiel; von Anfang an unterstützt der Verein Gesellschaft für Großbeträge e. V. die Aktivitäten der opera silens.

  • 2001 erprobt die opera silens mit acqua acqua acqua acqua in Form einer großen Kampnagel-Produktion und auf der Basis von Claudio Monteverdis achtem Madrigalbuch einen aktuellen Zugang zur Barockoper. Noch im gleichen Jahr folgte die Kampnagel-Produktion in Earth, die auf barocken Lamentoformen von Purcell und Bach basiert. Die opera silens experimentiert in jener Zeit mit neuen personellen Konstellationen.Von 2002 bis 2004 entstanden keine opera-silens-Inszenierungen. Die meisten Teammitglieder sind in diesen Jahren außerhalb Hamburgs tätig wie etwa bei der Münchener Biennale, dem Theater Meiningen, den städtischen Bühnen Krefeld, dem Stuttgarter Festival Eclat, dem Theater Basel, der Staatsoper Hannover sowie der Volksbühne in Berlin.Im Sommer 2005 entsteht in der opera stabile der Hamburgischen Staatsoper die opera-silens-Produktion Räuber von Johannes Harneit nach einen Roman von Robert Walser. Mit diesem Projekt beginnt die opera silens eine Phase der Kollaboration mit zeitgenössische KomponistInnen.Einen tiefen Einschnitt in der Projektgeschichte stellt der Tod Torsten Beyers im Dezember 2005 dar, der als Dramaturg die Arbeit der opera silens maßgeblich mit bestimmt und der darüber hinaus etwa als Mitbegründer des Dachverbands der freien Theaterschaffenden Hamburgs ein wichtiger Impulsgeber für die Freie Szene in Hamburg ist.2006 entsteht im Galionsfigurenraum des Altonaer Museums die performative Musik-Raum-Installation see my songs in Kooperation mit der Wiener Lichtkünstlerin Stefanie Wilhelm nach Musik von Vadim Karassikov und Jochen Neurath.Zum zehnjährigen Jubiläum im Jahr 2007 veranstaltet opera silens das Festival noch hörbar! mit einer Wiederaufnahme von see my songs in der Opera stabile der Hamburgischen Staatsoper sowie weiteren Veranstaltungen im Westwerk und in der Pony Bar.2008 entsteht in Koproduktion mit der Theaterakademie Hamburg die Inszenierung gehen nach Thomas Bernhard mit Musik von Fredrik Schwenk, die im Frühjahr 2009 in den Gasteig in München eingeladen wird. Mit dem neuen Leitungsteam Hans-Jörg Kapp (Regie), Judith Schneiberg (Dramaturgie) und Thomas Schmölz (Management) entwickelt opera silens derzeit das Stück NEUROVISIONS - LIEDER VOM GEWINN, das im Januar 2010 auf Kampnagel gezeigt wird.
  • Oper kommt von Operation

    Zur Musiktheaterarbeit von opera silens

    opera silens macht Musiktheater in einer Nach-Cage´schen Situation: das Kraftwerk der Gefühle ist explodiert und opera silens kreiert aus den umherliegenden Bruchstücken ein Musiktheater, in der die Musik im Theater nicht länger das Drama in Szene setzt. opera silens-Projekte sind deshalb leise und hysterielos.

    Oper kommt von Operation. Deshalb sind opera silens-Stücke hybride Konstruktionen, die beständig ihre eigenen Grundlagen aufs Spiel setzen. Sie pendeln zwischen narrativen und rein materialorientierten Inszenierungen.

    opera silens  beschäftigt sich mit Komponisten wie Erik Satie, die selbst keine Opern geschrieben haben. Oder sie entwickelt Inszenierungen entlang von Bruchstücken und Werken, die nicht primär für die Bühne geschrieben wurden, wie etwa im Falle von Monteverdis Madrigalbuch VIII.

    opera silens erarbeitet auch Stücke auf der Basis von Autoren wie Raymond Roussel, Robert Walser oder Thomas Bernhard, bei denen Textbewegung und Gestus von herausragender Bedeutung  sind.

    opera silens sucht vermehrt die Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Komponisten, die musikalische Grenzbereiche ausloten und dadurch die Erforschung neuartiger performativer Darstellungsweisen anregen.

    Das Musiktheater ist zu vielgestaltig und kostbar, um es Künstlern zu überlassen, die  sich ausdrücken wollen.